Das Anti-Aging-Mittel, das alle kaufen, auf dem Prüfstand
Neue Studie
Das ist eine einzelne Studie, kein Fazit. Sie nimmt sich allerdings ein Produkt vor, dessen Werbung dir vermutlich schon begegnet ist: Urolithin A. Das Mittel soll die Mitochondrien schützen, also die winzigen Kraftwerke, die in jeder Zelle Energie erzeugen. Geprüft wurde, ob ein Monat Einnahme die Gefäße von Menschen mittleren Alters gesünder macht.
Was Urolithin A ist und warum alle darüber reden
Mit der Nahrung nimmt man Urolithin A nicht direkt auf. Darmbakterien bilden es aus Stoffen, die in Granatäpfeln, Walnüssen und Himbeeren stecken, und nicht jeder Darm schafft das gleich gut. Genau damit werben die Kapseln: Sie liefern den fertigen Stoff.
Im November 2025 berichtete Women's Health über eine kleine Studie mit gesunden Erwachsenen mittleren Alters, in der sich einige Immunwerte veränderten, die mit dem Altern zusammenhängen. Das Magazin wies selbst darauf hin, dass ein Hersteller solcher Kapseln diese Arbeit bezahlt hatte. Eine unabhängige Prüfung stand noch aus.
Was in Oklahoma getestet wurde
Die Studie von da Costa Pinaffi-Langley und Kollegen von der University of Oklahoma erschien im Oktober 2026 in JAMA Network Open. Teilgenommen haben 50 Erwachsene zwischen 40 und 64 Jahren mit Adipositas, also einem Body-Mass-Index von 30 oder mehr. Im Schnitt waren sie knapp 51 Jahre alt, 37 von ihnen Frauen.
Per Los bekam die eine Hälfte täglich 1000 Milligramm Urolithin A, die andere ein Placebo, eine gleich aussehende Kapsel ohne Wirkstoff. Weder die Teilnehmenden noch das Forschungsteam wussten, wer was schluckte. Nach vier Wochen maß man vor allem, wie stark sich die Armarterie weitet, wenn mehr Blut durchfließen muss. Diese Messung gilt als Standard, um die Gesundheit der Gefäße zu beurteilen.
Was die Studie gefunden hat
Die Arterie hat sich nicht verbessert. In der Placebogruppe veränderte sich die Weitung um 0,3 %, unter Urolithin A um 1,3 %. Statistisch war der Unterschied nicht signifikant, er kann also Zufall sein. Auch die übrigen Durchblutungswerte an Hand und Fingerkuppen blieben gleich.
Ein Signal gab es an anderer Stelle. Bei Denkaufgaben reagierte die Durchblutung im Gehirn in der Urolithin-Gruppe stärker. Die Aufgaben selbst lösten beide Gruppen aber gleich gut, besser gedacht hat also niemand. Die Autorinnen und Autoren sehen darin einen Hinweis, dem man weiter nachgehen sollte.
Vertragen wurden die Kapseln laut Studie gut, und von den 50 Personen, die angefangen hatten, beendeten 7 die Studie nicht.
Was die bisherige Forschung sagt
Viel gibt es zum Vergleich nicht. Im Juli 2026 veröffentlichten Dao und Kollegen in Frontiers in Nutrition eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zu Urolithin A und Muskeln. Sie fanden nur 5 Studien mit insgesamt 236 Personen, allesamt klein, kurz und mit sehr unterschiedlichen Gruppen.
Zusammenrechnen ließen sich nur zwei davon, beide mit dem Sechs-Minuten-Gehtest. Im Mittel schafften die Teilnehmenden etwa 17 Meter mehr, eindeutig war das Ergebnis aber nicht, und die Sicherheit der Evidenz stuft das Team als niedrig ein. Eine ältere systematische Übersicht, 2024 in Ageing Research Reviews erschienen, fand eine entzündungshemmende Wirkung und mehr Muskelkraft und Ausdauer, aber keine Wirkung auf Herz und Kreislauf oder auf die körperliche Funktion.
Die Grenzen dieser Studie
Erstens, wer untersucht wurde: 50 Erwachsene zwischen 40 und 64 Jahren mit Adipositas, überwiegend Frauen, alle an einem einzigen Zentrum in den USA. Bist du normalgewichtig oder trainierst schon regelmäßig, sagt die Studie über dich nur bedingt etwas.
Zweitens, wie lange sie lief: Die Studie dauerte vier Wochen. Das ist kurz, eine langsamere Wirkung lässt sich damit nicht ausschließen. Drittens, wer sie finanziert hat: Gefördert wurde sie von der American Heart Association und der Reynolds Foundation, die weder Design noch Auswertung beeinflussten, Interessenkonflikte gibt das Team keine an. Viertens ist das Ergebnis noch nicht in einer anderen Gruppe wiederholt worden.
Bevor du die Dose kaufst
Nutzlos ist Urolithin A damit nicht bewiesen. Gezeigt ist nur, dass es bei diesen Erwachsenen in einem Monat die Gefäße nicht verbessert hat, und genau das wurde gemessen. Die Übersicht zu den Muskeln wiederum sagt, dass fünf kleine Studien für eine Aussage noch nicht reichen.
Hinter Training stehen dagegen ganze Metaanalysen. Für mehr Ausdauer reichen schon zwei Sprints pro Einheit, und was man über Kraft und das biologische Alter weiß, haben wir bereits beschrieben. Bei jeder Anti-Aging-Kapsel helfen drei Fragen: Gibt es eine Metaanalyse mit Wirkung auf das, was dir wichtig ist? Wer hat die Studie aus der Werbung bezahlt? Und worauf verzichtest du, wenn du das Geld dafür ausgibst?
Wenn du es ausprobieren willst, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, vor allem wenn du Medikamente nimmst. Leg dir einen Zeitraum und einen klaren Messwert fest, etwa deinen Blutdruck oder wie du die Treppe schaffst, damit du merkst, ob sich etwas tut. Und lass dafür am besten kein Training ausfallen, denn dort liegt das Gewicht der Evidenz.
Im Gym Triple X sehen wir es als Reihenfolge: zuerst die Kraft- und Ausdauereinheiten der Woche, dann das, was auf dem Teller liegt, und ganz am Schluss, wenn überhaupt, die Dose im Regal.
Wenn es dir schwerfällt zu entscheiden, was deine Zeit verdient, kann dir ein Personal Trainer an der Costa del Sol helfen, deine Woche so zu planen, dass die Mühe dort ankommt, wo man sie auch merkt, in deinem Tempo und ganz unverbindlich.
Quellen
- JAMA Network Open (2026). Urolithin A and Endothelial and Cerebrovascular Function in Middle-Aged Adults With Obesity.
- Frontiers in Nutrition (2026). Effects of Urolithin A supplementation on muscle health outcomes in humans from randomized controlled trials.
- Ageing Research Reviews (2024). Targeting aging with urolithin A in humans: A systematic review.